Neues Lernen durch Tutorials & Co

Großer Hörsaal mit 400 Sitzplätzen, Unicampus. 16 Studenten sitzen verstreut im Hörsaal. Es ist Freitagnachmittag, 16:30 Uhr und die Vorlesung Anatomie als Pflichtveranstaltung beginnt. Zu erwähnen wäre noch, dass es draußen gerade 28° Grad sind und der Freundeskreis am heimischen Baggersee sitzt und mit Grill und kühlem Bier das Wochenende einläutet. Damit aber noch nicht genug: Die Vorlesung besteht aus wechselnden, schwarz-weißen Bleistift Skizzen von anatomischen Strukturen. Pro Muskelgruppe werden ausführlich die lateinischen Begriffe und Gegebenheiten von Muskelansatz und -Ursprung ohne Praxisbezug besprochen. An diesem Punkt bewirken die Komponenten Wochentag, Uhrzeit, Außentemperatur, Vorlesungsthema und Darbietungsart ein exponentielles Ansteigen des Melatoninspiegels und die Augen fallen zu.

Wem kommt dieses Bild bekannt vor? Ich kann mich noch gut an die ein oder andere Vorlesung in diesem Stil erinnern. Hätte man sich da nicht ein wenig mehr Motivation und vor allem Flexibilität gewünscht?

Neues lernen durch interaktive Lehrmethoden

3D-Annimationen verdeutlichen komplizierte Sachverhalte.
3D-Annimationen verdeutlichen komplizierte Sachverhalte.

Flexibilität alleine ist jedoch nicht ausreichend, um ein Studium aus Studentensicht erfolgreich abschließen zu können. Wer Neues lernen möchte, muss die Lernmotivation hochhalten. Nur so kann man auch Inhalte, die vielleicht aus persönlicher Sicht weniger spannend sind, lernen. Gerade neue Medien beispielsweise Technologien lassen dies mittlerweile zu. Wurde früher noch starr aus anatomischen Büchern gelernt, in denen die Strukturen zweidimensional gezeichnet wurden, stehen dem Studenten heute zum Beispiel farbliche 3D-Anatomiemodelle oder 3D-Animationen zur Verdeutlichung der Ursachen von Krankheitsbildern zur Verfügung. Eine anatomische Struktur kann mittels einer bewegbaren 3D-Abbildung von jeder Seite betrachtet werden, die relevanten Punkte Ansatz und Ursprung werden deutlich. Aber auch weitere Informationen wie Muskelfaserverlauf und die Veränderung der Muskelfunktion in Abhängigkeit von der zugehörigen Gelenkstellung wird am bewegten Objekt auf einen Blick klar. Haben sich früher Anatomiebücher mit der starren, ruhenden Struktur befasst, gilt heutzutage gerade im Sport der Vorzug der bewegten Struktur – denn letztlich darum geht es in der Trainer- und Therapeutenpraxis.

Tutorials als Vorbild

Auch beim Training kann man Neues lernen.
Auch beim Training kann man Neues lernen.

Nicht umsonst sind die sogennante Tutorials so beliebt geworden. Als Tutorial bezeichnet man ein Internetvideo, welches zum Beispiel erklärt, wie man selbst einen Ölwechsel beim Auto vornimmt oder wie eine Frau die besten Schminkergebnisse erzielt. Kurz und gut: Wer Neues lernen möchte, findet in den sozialen Netzwerken oder bei YouTube für fast alles das passende Tutorial. Das machen sich auch Fortbildungsanbieter und moderne Hochschulen zu Nutze. Hier kann die Trainerfortbildung, neben der eigentlichen Präsenzphase auf dem Campus oder am Seminarort, bereits im Fernunterricht über fitnesspraktische Tutorials wie Gerätehandhabung, Körperübungen, Hantelübungsprogramme und auch trainingswissenschaftliche Vorlesungen erfolgen.

Spielorientiertes Lernen

Sehr beliebt sind neben oben erwähnten Tutorials auch spielerische Lernvarianten. Einige wenige Fortbildungsunternehmen verfügen zudem über Apps, mit Hilfe derer man überall im Rahmen von Quizprogrammen Fachfragen beantworten kann. Das macht nicht nur Spaß, sondern prägt das Basiswissen auch stärker ein.

Ein weitere Möglichkeit sind interaktive Lernprogramme, die es für die einzelnen Fächer gibt. Hier werden sowohl Quizfragen verwendet, als auch Zuordnungsaufgaben wie Lückentexte. Kurze Videosequenzen mit einer anschließenden Lernauswertung runden den Lernspaß ab. Hier findet ihr ein Beispiel eines interaktiven Lernprogramms.

Fazit

Lernen ist wichtig, muss sich aber am Zeitgeist orientieren. Dieser fordert nun mal von allen Beteiligten Flexibilität und Praxisnähe – beides unterstützen moderne Lernmedien. Nicht nur Lernpsychologen wissen, dass ein freudiger Geist schneller und besser lernt. Aus diesem Grund sollte es Spaß machen, wenn wir etwas Neues lernen. Wird der Lernstoff abwechslungsreich dargeboten und bespielt unterschiedliche Wahrnehmungskanäle, ist das Vorhaben noch erfolgreicher.

Und so kann auch dem gemütlichen Grillabend am Baggersee nichts mehr im Wege stehen.

Sascha Schrey

Sascha Schrey

Sascha Schrey ist Diplom-Sportwissenschaftler (Schwerpunkt "Prävention und Rehabilitation") und Betrieblicher Gesundheitsmanager (IHK). Er verfügt über vielfältige Erfahrungen u.a. als Sporttherapeut, selbstständiger Personal Trainer, Ausbilder, Sales-Manager und geschäftsführender Clubleiter. Beim IST ist er für die Beratung und Betreuung sowie die Lehrgangsentwicklung zuständig. Außerdem leitet er als Dozent Seminare.
Sascha Schrey

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