Spielerberater – ein Job mit Zukunft

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Das Fußballgeschäft ist seit 1990 immer professioneller und lukrativer geworden. Mit Vermarktungsrechten, Merchandising, Sponsoring und Ticketverkauf werden mittlerweile Umsätze in Milliardenhöhe erwirtschaftet. Der Umsatz von Fußballvereinen wird dabei maßgeblich durch den sportlichen Erfolg bestimmt. Um den erforderlichen sportlichen und damit verbundenen wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen, investieren die Vereine kontinuierlich in die Qualität ihrer Mannschaften. Dementsprechend versuchen die Klubs fortlaufend, mit potenziell geeigneten Spielern in Kontakt zu kommen, um die Möglichkeiten einer Vertragsübereinkunft auszuloten. In dieser Gemengelage entwickelte sich die Branche der Spielerberater, die zu einem lukrativen Geschäft geworden ist.

Der Markt für Spielerberater entwickelt sich rasant
Der Markt für Spielerberater entwickelt sich rasant.

Ursprünglich war die Spielerberater-Branche ein nordamerikanisches Phänomen. Die Zahl der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) offiziell lizenzierten Spielervermittler erhöhte sich rasch – 1993 waren es wenige, bis Ende 2014 schon über 430. In diesem Zusammenhang wurden 1994 erstmals durch die Einführung eines Lizenzierungsverfahrens verbandsrechtliche Rahmenbedingungen im Profifußball geschaffen, welche sich seit dem 1. April 2015 entscheidend geändert haben.

Als erster professioneller Spielerberater im deutschen Fußball gilt Robert Schwan, der von 1964 an Franz Beckenbauer betreute. Laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ haben Spielerberater im deutschen Profifußball innerhalb der Saison 2013/14 mehr als 100 Millionen Euro Honorare umgesetzt. In derselben Spielzeit waren es in England sogar umgerechnet 145 Millionen Euro.

Spielervermittler oder Spielerberater?

In der öffentlichen Wahrnehmung existieren zwei gängige Begriffe, die oft synonym verwendet werden. Zum einen der des „Spielervermittlers“ und zum anderen der des „Spielerberaters“. Die Begriffe „Spielerberater“ und „Spielervermittler“ müssen jedoch differenziert betrachtet werden. Der Begriff des Spielerberaters kann als Oberbegriff für Spielervermittler und alle weiteren Personen, die Einfluss auf den Vertragsschluss nehmen, verwendet werden. Rechtsanwälte, Eltern, Geschwister oder Ehepartner benötigen keine Lizenz, um Arbeitsverträge für ihre Mandanten oder Angehörigen auszuhandeln und sind genaugenommen nicht als Spielervermittler zu bezeichnen.

Als Spielervermittler oder „Fifa Player Agent“ wurden daher alle natürlichen Personen bezeichnet, die vom Fußball-Weltverband Fifa und den jeweiligen Landesverbänden nach dem alten Verfahren lizenziert wurden, regelmäßig und gegen Entgelt Spieler mit einem Verein zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses beziehungsweise zwei Vereine zur Begründung eines Transfervertrages zusammen zu führen. Tätigkeiten und Leistungen, die über das Zusammenführen zweier Parteien zur Begründung eines Arbeitsverhältnisses bzw. zur Begründung eines Transfervertrages gegen Entgelt hinausgehen, fielen nicht unter den Begriff der Spielervermittlung und wurden von verbandsrechtlicher Seite nicht weiter geregelt. Spielerberater bieten jedoch eine Vielzahl weiterer Leistungen an, wie etwa die Vertretung der Klienten bei Vertragsverhandlungen, Steuerberatung, Rechtsberatung, Karriereplanung, Marketing und Altersvorsorge. Für Spieler hat dies den Vorteil, dass sie sich voll auf den Sport konzentrieren können und sich um die administrativen Aufgaben keine Gedanken machen müssen.

Familienmitglied oder Profi?

Die Möglichkeit, sich von einem Familienangehörigen vertreten zu lassen – wie etwa beispielsweise Neymar, Lionel Messi, Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Arjen Robben –, wird im Profifußball immer stärker in Anspruch genommen. Kurzfristig betrachtet, hat diese Variante der Beratung einige Vorteile zu bieten, da eine persönliche Bindung zum Berater besteht und Provisionszahlungen letztlich innerhalb der Familie bleiben. Aber die Nachteile, die dadurch entstehen, dass unqualifizierte Leute für Spieler die Verhandlungsgeschicke übernehmen, werden schnell deutlich. So sagt Gregor Reiter, Anwalt und Geschäftsführer der „Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung“ (DFVV) in einem Interview mit der „Welt“: „Die Vereine freuen sich, denn sie machen bei Verhandlungen mit Familienangehörigen fast immer ein Plus. Die Spieler aber verlieren.“ Er rät daher, sich immer einen Profi für Verhandlungen zu holen, „einen, der ohne emotionale Bindung draufschaut“. Ähnlich sieht es in diesem Interview auch Christian Heidel, Manager des 1. FSV Mainz: „Es gibt Familienangehörige, die mit realistischen Vorzügen kommen. Andere halten aber ihre Sprösslinge für Weltfußballer und müssen erst mal geerdet werden.“

Qualifikation der Spielerberater

Für einen Spielerberater ist es sinnvoll, durch die Erlangung einer Lizenz, eine geeignete Qualifikation nachweisen zu können. Um eine Lizenz als Spielerberater zu erhalten, bedurfte es bisher der Ablegung einer Kenntnis-/Lizenzprüfung beim jeweiligen Landesverband. Des Weiteren war es notwendig sich den Statuten der Fifa und der Landesverbände zu unterwerfen, eine spezielle Haftpflichtversicherung abzuschließen und ein eintragsfreies polizeiliches Führungszeugnis vorzuweisen.

Das Ablegen der DFB-Lizenzprüfung für Spielerberater hatte durchaus unter anderem den Vorteil, eine Art Qualifikation oder auch Qualitätsmerkmal zu erlangen. Für die Verbände bestand der Vorteil darin im Falle von Verstößen eine Eingriffs- und (mögliche) Sanktionsbasis zu haben. Seit dem 1. April 2015 ist die Lizenzprüfung abgeschafft worden. Damit ist jede Person – die ein entsprechendes Führungszeugnis vorweisen kann – in der Lage als Spielerberater/-vermittler tätig zu sein, ohne eine Form von Qualifikation vorweisen zu müssen.

Ob diese Entwicklung im Sinne des Fußballs sein wird, bleibt abzuwarten. Von Seiten der Spielerberatergewerkschaft wird die Neuerung jedoch kritisch gesehen: „Wir hätten uns gewünscht, dass eine Kenntnisprüfung grundsätzlich erhalten bleibt sowie Fortbildungspflichten eingeführt werden“, sagte beispielsweise Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV, gleichzeitig Kooperationspartner des IST-Studieninstituts und der IST-Hochschule für Management, gegenüber „ZDFsport.de“: „Durch die Liberalisierung werden viele Glücksritter kommen und versuchen, schnelles Geld zu machen. Das wird auch dem Berufsbild des Spielervermittlers schaden… Es muss unser gemeinsames Interesse sein, dass die Spielervermittler eine Mindestqualifikation mitbringen, die auch kontrolliert wird.“

Die Beratungsagentur „Rogon Sportmanagement“ hat bereits Klage gegen das neue Reglement eingereicht und in mehreren Punkten Recht bekommen. Aus Ihrer Sicht besteht ein Verstoß gegen das Kartellrecht, da eine marktbeherrschende Stellung seitens der Verbände missbraucht werden würde. Ein weiterer Vorwurf liegt in der Einschränkung der Dienstleistungsfreiheit.

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Spielerberater

Dies verdeutlicht die große – auch rechtliche – Problematik der Änderungen des Reglements und zeigt, dass anscheinend weitere notwendige Anpassungen des Reglements unabdingbar sind. Dies wirft auf der einen Seite viele Fragen auf, ob bzw. wie beispielsweise eine Qualitätsüberwachung auf dem Markt erfolgen soll? Andererseits wird aber auch die Chance ermöglicht, neue und ganzheitlichere Ausbildungsansätze zu installieren.

Nachdem die Weiterbildung zur Vorbereitung auf die DFB-Lizenzprüfung überflüssig geworden ist, haben wir unser Know-how gebündelt und gemeinsam mit Experten aus verschiedenen Sport-Branchen eine ganzheitliche Lösung konzipiert – die Weiterbildung Athletenmanagement. Dabei geht es nicht nur um die Betreuung rund um Vertragsverhandlungen und Transferfragen, sondern vielmehr auch um Expertisen rund um die psychologischen Aspekte der Athletenbetreuung wie auch der Unterstützung bei Vermarktungsfragen.


Die Weiterbildung zum Athletenmanager startet jeweils im Februar und August. Im Blogbeitrag Früher Spielervermittler, heute Athletenmanager wird die Entwicklung der Branche und Weiterbildung zusammengefasst.

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Andreas Gohritz absolvierte sein Diplom-Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln mit den Schwerpunkten Medienmanagement, betriebswirtschaftliche Finanzierungslehre und Volkswirtschaftslehre. Schwerpunkt seiner Diplomarbeit waren die Finanzierungs- und Anreizstrukturen im Profifußball und die Einflüssen dieser auf den nationalen und internationalen Wettbewerb. Im Jahr 2012 legte er erfolgreich die DFB-Spielervermittlerlizenz-Prüfung ab. Aktuell promoviert er neben seiner Tätigkeit an der IST-Hochschule als externer Doktorand im Bereich Sportmanagement an der Universität Leipzig.

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